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Frank
Gast


Popstar Nena Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Ich fühl dich nicht, du fühlst mich nicht... Aha?

Die internationalen Stars hatten es nicht nötig, zur größten Musikmesse der Welt nach Berlin zu kommen. Umso mehr verhätschelte die PopKomm die umsatzträchtigen Stars der Heimat. Nena zum Beispiel. Thomas Winkler über eine Begegnung der divenhaften Art.

Im dritten Stock eines entschieden edlen Hotels in der Berliner Mitte ist der Flur vor den Aufzügen blockiert. Ein Kamerateam wuselt herum, junge Kreative kauern auf dem Boden und dienstbare Geister schieben Salatgedecke mit gebratener Hühnerbrust quer durch die Versammlung. Eine sichtlich nervöse Hotelangestellte bittet Wartende, doch wieder hinab in die mit plüschigen Sesseln ausgestattete Lobby zu fahren, um nicht für noch größere Irritationen unter den anderen Gästen des Hauses zu sorgen. Von Zeit zu Zeit öffnet sich die Tür zur Suite "Hofgarten I", Köpfe erscheinen, es wird getuschelt, Köpfe verschwinden wieder, bisweilen wird jemand vorgelassen. Es ist Nachmittag. Susanne Gabriele Kerner, besser bekannt als Nena, hält Hof.



Der Tag hatte wenige Kilometer südlich begonnen. Der Unterhaltungskonzern Warner präsentierte anlässlich des Branchentreffens PopKomm seine, so der Moderator, "Herbst- und Weihnachtshighlights". Geladen zur Präsentation waren vor allem Händler, die das Produkt demnächst an den Konsumenten bringen sollen, und jener Apparat der Plattenfirma, der das Produkt bis zu diesem Händler befördern darf.



"Die wichtigste deutsche Musikerin"

Irgendwann wird auch Nena auf die Leinwand projiziert, dazu Weggefährten und deren Nettigkeiten. Udo Lindenberg findet, das neue Album eröffne "andere Dimensionen, die nun an Nena sichtbar sind". Er nuschelt noch "Klasse gemacht, Praline", und dann sitzt die Praline auf der Bühne. Oder, wie der Moderator meint, "die wichtigste deutsche Musikerin". Niemand protestiert. Der Applaus ist noch ein wenig wärmer.



Modernisierte Gefühlsduselei

Vielleicht ist es das, was Susanne Kerner zu Nena macht, zu einem deutschen Star. Souverän verbindet sie die Rhetorik des Schlagers mit der Ästhetik des Rock und übersetzt dessen überholte Herz-Schmerz-Romantik in die blumige Sprache moderner New-Age-Aktivistinnen. Diese modernisierte Gefühlsduselei passt ebenso auf den Rücksitz eines Motorrads wie ins Bauchtanz-Studio, überall dorthin eben, wo Menschen nach Halt und Orientierung suchen. "Kannst du seh'n, wer du bist?", hat Nena für "Mach die Augen auf" gedichtet. Und: "Jeder Ort, jedes Wort, jeder Mensch/ Alles da, Alles war, Alles ist was Besond'res."

Das Kamerateam wurde mittlerweile vorgelassen ins Allerheiligste, man selbst sitzt im Vorraum der Suite, wartet auf das Interview. Durch die Tür dringt Lachen. Das typische Nena-Lachen. Der Star hat gute Laune. Es dauert nicht mehr lange, wird einem bedeutet, die Menschen vom Fernsehen seien gleich fertig.

Gute zehn Minuten später hat der Star keine gute Laune mehr. Nach dem ersten kritischen Hinterfragen ihrer ganzheitlichen Esoterik wird das Interview vor Ablauf der abgemachten Zeit beendet. "Wir beide verstehen uns nicht", hat Nena gesagt, "zwei Menschen begegnen sich und haben sich nichts zu sagen, weil Du hast Deine Wahrnehmung und ich habe meine. Deshalb macht dieses Gespräch für mich überhaupt keinen Sinn."

Das Verdikt lautete: "Du gibst kein Signal von Dir, ich fühle Dich nicht. Und Du fühlst mich vielleicht nicht. Für mich ist aber jede Sekunde meines Lebens kostbar. Ich will die Menschen fühlen, mit denen ich zu tun habe."

Bedröppelt schleicht man aus der Suite. Und auch ein wenig stolz. Schließlich war es das erste Mal, dass man von einem Star rausgeworfen wurde.
Quelle


30.09.2007 05:18
 
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